Samstag, 5. Juli 2014

Close but distant, distant but close.


„Ein Auslandsjahr wird Dein Leben für immer verändern“

„Durch Reisen findet man sich selbst“

„Du wirst ein zweites Zuhause auf der anderen Seite der Welt haben“

Schon vor einigen Jahren fing ich an, mich mit der Idee eines Auslandsjahres anzufreunden. Ich las viele Texte und stieß wieder und wieder auf solche Zitate. Sie begeisterten mich, doch noch konnte ich mir nicht vorstellen, wie wahr sie mir einmal scheinen würden.

Ein Jahr ist es nun her, dass ich mich selbst auf den Weg nach Australien machte, um dort 10 Monate in einem Vorort von Brisbane zu leben. Ich hatte keinen Schimmer wie sehr diese 10 Monate mein Leben erst auf den Kopf stellen und dann für immer verändern würden. Es war nicht immer ein einfacher Weg, doch am Ziel angekommen schaue ich auf das größte Abenteuer meines Lebens zurück und empfinde nichts als pure Freude, Dankbarkeit und Stolz, gemischt mit einem Hauch von Fernweh.

Die erste Euphorie wurde für eine kurze Zeit von Heimweh, Unsicherheit und Verlustängsten überschattet. Es fiel mir schwer, mich von meiner Familie zu trennen, meine Freunde und mein Leben in Deutschland hinter mir zu lassen. Anfangs hing dies wie eine Klette an mir. Der Ballast zog mich herunter bis ich lernte mich ein wenig zu trennen und loszulassen.

Ich vergaß mein Leben in Deutschland und versuchte, mich so gut und schnell wie möglich, an ein australisches Leben anzupassen. Ich sah es als eine Chance, mich selbst zu finden und auch neu zu erfinden. Nie enddeckte Stärken kamen zum Vorschein und ich wuchs tiefer und tiefer in den „Aussie way of life“ hinein.

In der Schule fand ich schnell Freunde. Freundschaften wie diese sind aber nicht etwa vergleichbar mit netten Urlaubsbekanntschaften. Noch nie habe ich in einer solch kurzen Zeit so viele unglaubliche und innige Freundschaften geschlossen. Wir waren eine feste Gruppe von Mädchen und es fühlte sich eher wie eine kleine Familie an.

Trotzdem hatte ich Anfangs sehr zu kämpfen. Meine Gastfamilie erwartete viel von mir – gab aber recht wenig zurück. Ich hatte kaum Freiheiten, keine Privatsphäre, doch musste sehr viel helfen und mich an strenge Regeln halten. Zuerst kam mir dieses nicht fair vor, doch ich nahm es hin und versuchte mich anzupassen. Irgendwann verstand ich außerdem, dass es nicht immer darauf ankommt, wie viel für einen getan wird. Ich habe es einfach genossen gebraucht zu werden und bin dadurch noch viel inniger mit meiner Gastfamilie zusammengewachsen, als ich es mir je hätte träumen lassen. Dieses Gefühl ist weder zu beschreiben, noch in irgendeiner Art und Weise zu ersetzen.

In dem letzten Jahr habe ich so viele Lebenserfahrungen gemacht, wie nie zuvor. Es scheint so daher gesagt, „wer reist findet sich selbst“, doch ich könnte es nicht besser sagen. Man ist gezwungen sich anzupassen und sich zu verändern. All die Eindrücke die ich gewonnen habe, sowohl positive als auch negative, habe ich wie ein Schwamm aufgesaugt. Sie haben mich inspiriert und zu dem Mädchen gemacht, das ich heute bin.

Auch durch das Einleben in Deutschland habe ich mich verändert. Nach einem erneuten Kulturschock habe ich mich langsam eingewöhnt und mich auch hier wieder anpassen müssen. Es ist als hätte ich eine Balance zwischen meinem alten Leben und meinem Leben in Australien gefunden. Ich betrachte Dinge anders, ich bin sowohl realistisch als auch verträumt. Ich lasse mich gerne inspirieren und bin begeistert von so vielen wunderbaren Dingen auf dieser Erde. Ich habe schon jetzt so viele Pläne und ich bin stolz. Stolz auf das, was ich geschafft habe.

Australien ist und bleibt ein großer Teil von mir. Um nichts hätte ich diese wundervolle Erfahrung missen wollen. All die unglaublichen Orte, die bildschönen Strände, die interessanten Leute, meine weltbeste zweite Familie und meine wunderbaren Freunde.

Denke ich zurück fühlt es sich nicht etwa wie die Erinnerung an einen schönen Urlaub, oder ein einmaliges Abenteuer an, nein es ist nun mein Zuhause auf der anderen Seite der Welt. Jeden Tag vermisse ich es, aber das ist wohl die Kehrseite eines solchen Geschenks. Mein Schüleraustausch war jedoch nicht das Ende, es war erst der Anfang meines großen Abenteuers. Das Fernweh packt mich immer wieder und ich bin überzeugt, so viel wie möglich reisen und entdecken zu wollen.



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